Angesichts der öffentlichen Diskussionen rund um das bevorstehende Festival zum vierzigjährigen Bestehen unserer DITIB-Gemeinde Bergedorf haben wir die Situation gemeinsam als Landesverband und Gemeinde detailliert geprüft und aufgearbeitet. Dabei ist deutlich geworden, dass Fehler passiert sind und in einzelnen Punkten eine Kurskorrektur notwendig erscheint.
Die DITIB-Gemeinde Bergedorf ist seit Jahrzehnten ein fest verankerter Bestandteil der Stadtgesellschaft und setzt sich kontinuierlich für gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie ein friedliches und harmonisches Miteinander ein. Insbesondere die heutige Gemeindeführung ist für dieses Engagement bekannt. Vorwürfe des Antisemitismus oder anderer menschenfeindlicher Ideologien weisen wir daher entschieden zurück. Die Veranstaltung wird ehrenamtlich organisiert und verfolgt ausdrücklich das Ziel, offen, transparent und nahbar zu sein. Besonders durch die Wahl des Frascatiplatzes als öffentlich zugänglichen Veranstaltungsort unterstreicht die Gemeinde ihren Anspruch auf Transparenz und ihre Verbundenheit mit Bergedorf. In diesem Zusammenhang wurden auch die eingeladenen Gäste offen kommuniziert. Eingeladen wurden Gäste aus Deutschland und der Türkei, die in erster Linie einen spirituellen Beitrag zum Festival leisten sollten.
Dass einzelne Inhalte auf Social-Media-Profilen der eingeladenen Gäste problematische Aussagen enthalten, war den ehrenamtlichen Organisatoren nach eigener Aussage nicht bekannt. Zudem ist es einem ehrenamtlichen Organisationsteam nicht möglich, in allen Punkten umfassende und tiefgehende Recherchen durchzuführen. Die eingeladenen Personen sind nicht durch politische Aktivitäten oder politische Vorträge bekannt geworden, sondern vor allem im religiösen Bereich tätig und äußern sich überwiegend zu diesen Themen. Dies entsprach auch der ursprünglichen Intention der Einladungen. Gleichwohl nehmen wir die geäußerte Kritik ernst und haben die betreffenden Sachverhalte sorgfältig geprüft.
Die gemeinsame Aufarbeitungskommission aus Vertretern des Landesverbands und der Gemeinde ist nach ihrer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass einzelne persönliche Beiträge mancher eingeladenen Gäste problematische Inhalte aufweisen. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass pauschalisierende Vorwürfe gegenüber einigen Gästen diffamierend und unsachlich waren. Eine Einzelfallprüfung sämtlicher eingeladener Gäste gestaltet sich unter den aktuellen Umständen und angesichts der aufgeheizten Debatte jedoch schwierig.
Um die Diskussionen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Festival nicht weiter zu belasten, wurde daher entschieden, vorerst auf die eingeladenen Gäste aus der Türkei zu verzichten. Diese Entscheidung ist nicht als generelle negative Bewertung aller eingeladenen Gäste zu verstehen. Ungeachtet dessen betonen wir nochmals ausdrücklich, dass Gewalt, Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus keinen Platz in unseren Gemeinden und auf unseren Bühnen haben.
Abschließend möchten wir erneut hervorheben, dass die Organisation der Veranstaltung ehrenamtlich erfolgt und trotz aller Sorgfalt Fehler passieren können. Vor diesem Hintergrund bitten wir darum, von pauschalen Diffamierungen der Gemeinde und ihrer engagierten Ehrenamtlichen abzusehen. Zugleich laden wir unsere Partnerinnen und Partner aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Nachbarschaft und Religionsgemeinschaften herzlich ein, die Veranstaltung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Das Fest ist öffentlich zugänglich, und gerade in Zeiten angespannter Debatten halten wir Begegnung, Transparenz und das direkte Gespräch für wichtiger denn je.
Vorstand der DITIB-Türkisch Islamischen Gemeinde zu Bergedorf e. V. Landesvorstand der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB Hamburg und Schleswig-Holstein e. V.
